Persönliche Werkzeuge

Modellflugverein Reinickendorf e.V.

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Der Erlkönig

Hier also entsteht ein neues Projekt. Ist aber noch ein Geheimprojekt, darf keiner Wissen. Sozusagen ein Erlkönig. Nur Experten können erahnen was sich dahinter verbirgt. Groß scheint es zu werden. Vielleicht auch ein erstes Projekt bemannter Fliegerei in Birkholz.

Wer genau hinschaut, erkennt des Modellbauers Handschrift, genauer gesagt die Art der Flächenverbindung.

 

 

Aha, ein Bugfahrwerk, soviel ist also auch schon klar. Und nix mit EZW und solchem Firlefanz. Aber hat sich da der Erbauer irgendwie vertan? Das Teil sitzt ja gar nicht mittig! Naja, ist ja auch noch nicht fertig...


Ein hohler Vogel? Aber immerhin gehen 3 paar Leitungen ins Heck. Seite, Höhe und was noch? Irgendwelcher Gimmick?
 

 

Eine interessante Bauweise! Könnte das HLW werden, aber was sind das für Balsastreifen?

Also irgendwie ist das alles ein Rätsel. Der Erbauer will noch unerkannt bleiben, Gerüchten zufolge steht aber ein erster Testflug kurz bevor. Wie immer bei Erlkönigen, sie bleiben getarnt, incognito. Erste Eckdaten konnten jedoch in Erfahrung gebracht werden: 195 cm Spannweite, Luftschraube 15x8 bei 50 Ampere mit 9000 u/min sowie entsprechend respektvollem Dampf bei angestrebtem Abfluggewicht deutlich unter 5 kg. Wir dürfen also gespannt sein, was am Ende heraus kommt.


Sieht nach Kühler aus mit Öffnungsklappe. Spricht für Reihenzylinder. Hilft aber auch nicht wirklich weiter in dem Ratespiel "Wer Was Wann"?
 

 

Wer bei diesem Bild nicht drauf kommt, wer hier am Werke ist, der kennt sich in unserem Verein nicht aus. Es gibt nur Einen, der solche Cockpit's baut. Wer das Bild stark vergrößert, erkennt Deutsche Schrift. Aha, ein Flugzeug, welches im hiesigen Lande geflogen wurde/wird.


Verflixt!! Was sollen diese Datailbilder, wenn man nicht das Ganze zu sehen bekommt!! Hier macht es aber einer sehr spannend. Oder sind das etwa Bilder eines Originals? Leder bezogenes Armaturenbrett? Beschriftete Instrumente? Das sieht schon sehr gut aus. Also warten wir mal die nächsten Tage ab, ob sich noch was tut.
 

 


Einige Tage später wurde der Autor angerufen, ob er mal Zeit hätte. Wozu? Naja, seht selbst, was dabei heraus gekommen ist:

So, nun wollen wir mal die Katze aus dem Sack, oder besser aus dem Modell lassen. Es handelt sich hierbei um eine Zlin42. Und der Erbauer? Natürlich ist das Andreas (AD), wer sonst baut bei uns solch’ ungewöhnliche Modelle mit solch’ einem spektakulären Cockpit-Ausbau. Und da nun das Geheimnis gelüftet ist, können wir auch gleich ein paar schöne Fotos machen und die Geschichte dieses Flugzeuges etwas näher beleuchten.
 

 

Die Zlin 42 vom tschechischen Flugzeugbauer Zlin ist entwickelt worden als Sport und Reiseflugzeug. Richtig bekannt wurde es aber durch den Einsatz als Ausbildungsflugzeug für die Militärpilotenausbildung im ehemaligen Ostblock. Dabei war die Z42 nach dem Segelflugzeug der erste Motortrainer in der Ausbildung, danach folge die weitere Ausbildung an düsenstrahl getriebenen Flugzeugen L29 und MIG21.


Wer AD kennt, weiß, das er einen Hang zu Osteuropäischen Flugzeugen hat, seine SU- und IL Flugzeuge zeugen davon. Das Modell wirkt bedingt durch den Maßstab von 1:5 riesig. Das erlaubt dann auch den detaillierten Instrumentenausbau, bei dem sogar die Beschriftung der Schalter und Instrumente noch zu lesen ist, wie der Autor sich eindrucksvoll überzeugen konnte. Es gibt noch ein paar Gimmicks, die aber noch nicht verraten werden. Das sich Türen und Motorklappen stilgerecht öffnen lassen, das Scharniere, Verschlüsse, Sicken und Kanten scalegerecht herausgearbeitet werden, ist bei AD selbstverständlich.
 

 

Die Zlin42 wurde ab den 70er Jahren in verschiedenen Versionen gebaut. Sie ist voll kunstflugtauglich und weist einige Besonderheiten auf, die sofort ins Auge fallen. Zum einen die nach vorn gepfeilte Tragfläche sowie das nicht mittig angeordnete Bugfahrwerk. AD hat sich die Trainerversion vorgenommen, bei der die Instrumentierung doppelt vorhanden ist. Und natürlich wird sie eine DDR Kennung erhalten. Auch dabei wird es ein kleines Geheimnis geben, welches sich um die Deutsch-Deutsche Geschichte dieses Flugzeuges rankt. Wer es errät, dem wird der nahe Termin des Erstfluges verraten.


AD treibt es auf die Spitze, indem er auch stilgerecht das Thema Motorisierung und Steuerung angegangen hat. Nein, er hat nicht den originalen 6 Zylinder-Motor nachgebaut, aber immerhin verwendet er tschechische Produkte wie AXI und Jeti. Das die Zlin42 den Birkholzer Himmel erblicken wird, darin besteht kein Zweifel. Die 15x8er Latte dreht mit 8500 Umdrehungen an 6S 3200er Akkus bei 55A, das ergibt rechnerisch 4,8kg Schub.
 

 

Und was sagte die Küchenwaage zur Z42? Aufmunitioniert 4.200g. Dazu kommt nun die Farbe und das Flugpersonal, also werden 4,5kg Abfluggewicht erwartet. Na, unter diesen Bedingungen sollte AD sich schon mal ein Kunstflugprogramm überlegen. Wir sind weiter sehr gespannt auf das Finish und vor allem auf den Erstflug. Hut ab und Holm und Rippenbruch.



Nun können wir die Katze aus dem Sack, respektive aus dem Modell lassen und hier noch ein paar taktisch technische Angaben machen:

Maßstab: 1:5; Spannweite: 192 cm; Gewicht: weit deutlich unter 5 kg; Antrieb: Axi 4120/18; Akku: Lipo 6S; Propeller: EM Prop 15x8; 10 Flaschen Sekundenkleber; 20m Kabel; ein Regenwald voller Balsaholz;


 

 

Und es kam wie es kommen mußte: Es gab einen Erstflug. Der mußte leider nach wenigem Metern abgebrochen werden, weil die Akkus den Winter doch nicht schadlos überstanden haben. Mit neuen Akkus und Stefan als erfahrenster Testpilot gings dann bei etwas Gegenwind los. Vorher wurde alles kritisch gecheckt. Naja und wie man es bei AD gewohnt ist, fliegen die Kisten auch. Einzige Sorge war der Schwerpunkt. Darüber wurde vorher schon viel nachgedacht, gerechnet und diskutiert. Aber am Ende gab es keine Erfahrung mit nach vorne gepfeilter Tragfläche. Im Erstflug wurde dann auch schnell deutlich, das er weiter nach vorne wandern mußte. Also wieder gelandet, provisorisch wurde aufgebleit und der anschließende 3. Erstflug sah richtig gut.

Glückwunsch an die Protagonisten. Und nun kann AD frohen Mutes zum Finisch und Endausbau übergehen.


Ein halbes Jahr und viele Baustunden später eilt AD nun zum finalen Finish. Und wie schon bei der SE5a traut man seinen Augen nicht, betrachtet man die Details im Cockpit. Wer genau hinsieht, errät auch, welche Bauelemente "mißbraucht" wurden. Man mag sich gar nicht satt sehen. Wunderschön gelungen und detailliert. Nun fehlt nur noch der Pilot und natürlich der finale 4. Flug. Auch der Motor wurde noch einmal überarbeitet und einige Milli-PS mehr spendiert, nachdem Stefan sich doch etwas mehr Leistung gewünscht hätte. Weniger zum Fliegen, aber doch aus Sicherheitsgründen. Ja, wir sind in der heutigen Zeit verwöhnt. Wenn man nicht unbändigen Druck an der Latte verspürt, fühlt man sich fast unwohl. Was soll's, Leistung kostet nicht mehr die Welt und man kann ja immer drosseln.
 

 

Nun ist die Zlin von AD kein Erlkönig mehr und man könnte die Überschrift zu diesem Artikel ändern. Sie zeigt ihr endgültiges Antlitz und versteckt sich nicht mehr.

Also wir freuen uns auf die neue Saison 2011, diesmal mit einer neuen Zlin 42 auf unserem MVR-Flugplatz.


Bild: Zlin_050.jpg